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Literatur Warum gibt es in Schwaben die Kehrwoche?

Es sieht so harmlos aus. Es ist nur ein Stück dickeres Papier mit einem Wort darauf. Es hängt im Hausflur am Nagel, direkt neben einer Wohnungstür. Es ist eine Drohung, scharf wie jede Guillotine. "Kehrwoche" steht da. Wer in dieser Woche dran ist, der muss sauber machen. Näheres regelt die Hausordnung. Treppenabsatz zu fegen. Treppen bis zum nächsten Stockwerk wischen. Bürgersteig bis zur Bordsteinkante vom Schmutz befreien uswusf. Zur Kontrolle der Durchführungsmaßnahmen braucht es kein Ordnungsamt und keine Polizei. Die lieben, lieben Nachbarn! Sie sind schärfer hinter einem her als jeder besessene Feldwebe der Bundeswehr. Wehe den Zugezogenen aus Cuxhaven und Sarajewo und Üsküdür. Ein übersehener Fussel in der Ecke? Schon blökts's gallengiftig durchs Haus: "Hend Sie gsäa, wie di Neie buza?" (Haben Sie gesehen, wie die Neuen putzen?) Wer diesen Satz hört, auf sich gemünzt, kann gleich wieder ausziehen. Da kann er noch so nett zu den Nachbarskindern sein, Punkt 22 Uhr die Musik leise drehen, sonntags keine Wäsche auf den Balkon hängen, auch regelmäßige Wäsche des Autos von Hand nutzt dann nichts mehr. Tschüss oder besser "Adele": Integration in Schwaben gescheitert. Innenminister verlangen heute von Fremden das Erlernen der deutschen Sprache. Schwaben dagegen wissen, dass Fremde nie ihre merkwürdige Sprache lernen werden. Sie erwarten als Zeichen der Brotmäßigkeit und sichtbarem Eingliederungswillen das präzise Einhalten der Kehrwoche. Derlei finstere Überwachungslust wurzelt im Mittelalter, wo sonst. Württemberg wurde damals zu einer Hochburg des Protestantismus; das gesamte soziale Leben wurde durch Verordnungen, Vorschriften und Gesetze geregelt. Graf Eberhard im Bart gilt als Vater aller Kehrwochen. 1492 erließ er das Stuttgarter Stadtrecht: "Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Woche hinausführen." Dabei genügt es den heutigen Anforderungen nicht, irgendwie (!) sauber zu machen. Kritisch beäugt wird, ob die Zugezogenen das regional übliche Arbeitsgerät nutzen: "Bäsa, Oimr, Kuddrschaufl" (Besen, Eimer, Kehrblech). Anderes Material gilt als ebenso unschicklich wie das Urinieren an Gartenhecken. Wie groß der soziale Druck des pietistischen Terrors im Süddeutschen ist, mag ein Aprilscherz der Volkshochschule Calw belegen. Deren Leiter bot vor einigen Jahren den Kompaktkurs "Kehrwoche für Nichtschwaben" an, einheimisches Brauchtum und Materialkunde inklusive. Gebühr: stolze 135 Mark In kurzer Zeit gab es 100 ernst gemeinte Anmeldungen.

(Mit freundlicher Genehmigung: Norbert Thomma, leitender Redakteur des "Tagesspiegel")


Der Wischmops

Der Wischmops ist ein dickes Ding.
Ihn ziehts nicht nur zu Möpsen hin.
Auf dicke Dinger aus Berlin
Da steht er. Die gefallen ihm.

Das tun auch Pudel aus Schwerin.
Ein solches wildes Ungetüm
Ihm neulich in die Falle ging,
Als er so an der Leine hing.

Erst speiste er es mit Morphin,
Dann legte er's in Terpentin.
Zum Putzen nahm er's, mit Benzin
Und weg vom Klo war der Urin.

Was macht man nicht so ungestüm
Für eine Dosis Endorphin?
Zu guter Letzt nahm er den Pudel.
Und machte aus ihm Pudelstrudel.

(Wolfgang Gruel)


Schwarzmalklinik

Spät in der Nacht
ist es vollbracht.
Es glänzt und blitzt.
Dass Blut gespritzt.
merkt keiner.
Auch nicht Rainer.
Für den ist's aus.
Trotz Krankenhaus.

(Wolfgang Gruel)


Der Staubfänger

Ja ja Staub, Dreck ja ja muss weg ja, ja, den jage ich, ja ja, fange ihn ein, ja der muss weg, der Fleck muss weg, ja ja, auch das Laub da, ja ja muss weg vom Weg ja ja, vom Baum auch, ja ja, weggekehrt ja ja, fort damit ja, ja, das Laub ja, ja, weggekehrt ja ja, fort damit, ja ja das Laub da, ja der Dreck da, ja der Stau macht taub, der Dreck muss weg ja, ja so soll sie sein ja ja die Welt, so rein und weg mit dem Dreck ja ja. Ja ja, muss weg da ja der Kerl da muss weg das Weib da ja beide ja ja Dreck muss weg ja ja, wer anders ist, ja, ja ist Dreck muss weg ja ja, weggewischt ja ja weggesaugt ja ja weggeschlossen ja ja hepp und weg und Dreck, Fleck muss weg ja der Feind da ja ja der Feind muss weg ja ja zu Staub zu Staun der Feind da ja ja rein sein ja ja möchte rein sein ja ja rein soll sie sein da die Welt da ja ja da jage ich den Staub da ja ja wisch ihn weg ja ja wisch mich weg da den letzten Dreck da ja ja der muss weg zu Staub zu Staub ja ja schöne saubere Welt da ja ja fällt neuer Staub dann ... muss ... ja ja ... jage da .... ja ja ... - SO EIN DRECK!

(Martin Kirchhoff)


Kommunikation. Hygienisches Trommelfeuer

Komm heraus ja, komm zu uns, ja komm. Komm aus mit uns, komm zur Kommunikation. Komm! Wähle! Menschen warten schon, komm zu dir, ruf an, komm heraus. Komm, ja, komm ins Netz und kommuniziere, ja komm, ja ja, wähle die Zahlenkombionation. Komm zur City-Line, komm jetzt, ja kommuniziere, ja, ja Menschen warten schon, ja, ja, komm, erobere Freunde, die kommen zu dir, kommen zu dir. Ja! Ja! Komm zu unjs. Kommunikation ist Technik, ja, ja. Kommunikationstechnit ist Zukunft, ja, ja, komm zur City-Line, ja komm zur keimfreien Kommunikation, so hygienisch, ja komm doch, wir warten noch, rufen dich, wollen dich ficken! Ins Ohr, ja, ja, komm endlich, lass es dir kommen, viele Ohren warten schon, oh ja, oh, oh. Ohrogasmus, komm, ja, ja! Komm! Ja, ja das Koma wartet schon. Ja komm, gebe deine Ohrmuscjel, oh, oh, komm, ja ja komm. KOMM! KOMM zur KOMMUNIKATION!

(Martin Kirchhoff)


Das Wollschaf

Ein Wollschaf ging über die grüne Wiese
Der Schäferhund dachte, es ließe
sich einfach scheren.
Da begann es sich zu wehren
und streute dem Hund
Staub in den Mund

(Wolfgang Gruel)


Das Borstenschwein macht besenrein

für mich reißt’s sich die Haare aus
und sieht dann aus wie eine Maus
dafür sieht’s bei mir zu haus
jetzt nicht mehr wie bei Schweinen aus.

(Wolfgang Gruel)


Sauber

"Wie sieht's denn hier aus?" sagte der Schrubber
und dann zum Eimer "Los komm!"
Sie machten ein Riesengeblubber
und stürzten sich dann vom Balkon

(Wolfgang Gruel)


Altpapier

Bunte, Playboy, Goethes Faust,
Ein Artikel von Herrn Aust,
Zeitungen aus aller Welt
Praline, Zeit, was sonst gefällt.

Pizzaschachteln, Pappkartons,
Schopenhauer und Coupons,
Briefe, Karten, ne alte Tüte
Reklameblättchen, alte Hüte.

Kommt ein kleines Nagetier,
frisst sich durch das Altpapier.
Verschmäht die richtig dicke Pappe.
War’s vielleicht die Leseratte?

(Wolfgang Gruel)


Kehrwisch

KehrWischKehrWischKehr
WischKehrWischKehrWisch
KehrWischKehrWischKehr
WischKehrWischKehrWisch
KehrWischKehrWischKehr
WischKehrWischKehrWisch
KehrWischKehrWischKehr
WischKehrWischKehrWisch

(Wolfgang Gruel)



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